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Medizinisches Trauma und sexualisierte Gewalt

Folgeerscheinungen einer Untersuchung

Eine VMCU (VCUG) ist eine medizinische Untersuchung, bei der die Harnblase und die ableitenden Harnwege unter Röntgenkontrolle untersucht werden. Für ein Kind kann eine solche Untersuchung körperlich und emotional belastend sein.

Welche Folgen eine VMCU hat, kann von Kind zu Kind unterschiedlich sein. Nicht jedes Kind entwickelt nach einer solchen Untersuchung länger anhaltende Beschwerden oder psychische Belastungen.

Aus den Erfahrungen mit VMCUs und MCUs lassen sich jedoch verschiedene mögliche Reaktionen beschreiben.

Körperliche Belastung

Körperliche Belastung bei einer VMCU
Eine VMCU (Videourocystographie, auch VCUG genannt) ist eine Untersuchung von Blase und Harnwegen, bei der ein Schlauch (Katheter) über die Harnröhre in die Blase gelegt wird. Wie bei anderen Untersuchungen mit Katheter kann das mit körperlichen Beschwerden verbunden sein.

Während der Untersuchung
Viele Patienten empfinden das Einführen des Katheters als unangenehm bis schmerzhaft. Bei Jungen ist die Kathetereinführung aufgrund der längeren Harnröhre oft besonders schmerzhaft. Auch das Füllen der Blase mit Flüssigkeit kann Druck, ein Fremdkörpergefühl und starken Harndrang auslösen. Studien zeigen, dass gerade die Kathetereinführung und die gefüllte Blase die belastendsten Momente sind.

Nach der Untersuchung
In den ersten ein bis zwei Tagen nach der VMCU kann es zu Brennen oder Stechen beim Wasserlassen kommen. Auch ein leichtes Druckgefühl oder eine leichte Rötung des Urins sind möglich und gehen in der Regel von selbst zurück. Fachgesellschaften empfehlen, bei anhaltenden Beschwerden länger als 24–48 Stunden ärztlichen Rat einzuholen.

Bei Kindern
Kinder können die Untersuchung als schmerzhaft oder beängstigend erleben. Manche haben danach Angst, auf die Toilette zu gehen, und halten das Wasserlassen zurück. In Einzelfällen kann es dadurch zu vorübergehenden Schwierigkeiten beim Wasserlassen bis hin zu einem kurzfristigen Harnverhalt kommen. Wenn ein Kind mehrere Stunden nach der Untersuchung nicht uriniert hat oder starke Schmerzen hat, sollte die behandelnde Praxis kontaktiert werden.

Bei wiederholten Untersuchungen
Wenn eine VMCU bereits als unangenehm erlebt wurde, kann die Vorstellung an eine erneute Untersuchung Angst und Anspannung verstärken. Auch hier zeigen Befragungen, dass Erwartungsangst und frühere Schmerzerfahrungen eine Rolle spielen können. Eine gute Vorbereitung und Erklärung vor der Untersuchung hilft vielen Patienten und Kindern, die Situation besser zu bewältigen.

Quellen

Cleveland Clinic: Voiding Cystourethrogram (VCUG): Procedure & Results. https://my.clevelandclinic.org/health/diagnostics/16431-vcug

AboutKidsHealth: Voiding cystourethrogram (VCUG): Caring for your child at home after the procedure. https://www.aboutkidshealth.ca/voiding-cystourethrogram-vcug-caring-for-your-child-at-home-after-the-procedure

RadiologyInfo (American College of Radiology): Pediatric VCUG (Voiding Cystourethrogram). https://www.radiologyinfo.org/en/info/voidcysto

Distress experienced during pediatric VCUGs – a granular analysis. Springer, 2016. https://link.springer.com/article/10.1007/s00247-016-3540-z

Voiding cystourethrography for the pediatric nephrologist: clinical indications and technique. Springer, 2025. https://link.springer.com/article/10.1007/s00467-025-06901-3

KidsHealth (Nemours): After Getting a VCUG: How to Care for Your Child. https://khpi.kidshealth.org/en/parent/1017.html

Patient perceptions of physical and emotional discomfort related to urodynamic testing. PMC, 2015. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4349219/

Angst und Kontrollverlust

Für viele Kinder ist nicht nur die körperliche Seite einer VMCU belastend, sondern auch das Gefühl, der Situation ausgeliefert zu sein. Besonders schwierig kann es sein, wenn sie nicht genau wissen, was mit ihnen passiert, warum die Untersuchung nötig ist und wie lange sie dauern wird.

Unwissenheit und fehlende Kontrolle erhöhen die Angst
Wenn Kinder vor einem medizinischen Eingriff keine altersgerechten Informationen bekommen, steigt ihre Angst oft deutlich. Sie können sich dann eigene, manchmal sehr beängstigende Erklärungen zurechtlegen. Studien zeigen, dass Kinder bei Untersuchungen wie der VMCU häufig das Gefühl haben, keine Kontrolle darüber zu haben, was mit ihrem Körper geschieht. Dieses Gefühl von Hilflosigkeit kann die Belastung stark verstärken.

Wenn Erwachsene über den Ablauf bestimmen
Eine Untersuchung kann zusätzlich belastend wirken, wenn Kinder merken, dass sie sich nicht aus der Situation zurückziehen können und Erwachsene über ihren Körper und ihre Bewegungen bestimmen. Forschungen zu medizinischen Eingriffen bei Kindern beschreiben, dass Festhalten oder Zwang als besonders machtlos und verletzend erlebt werden und das Vertrauen in die beteiligten Erwachsenen erschüttern können.

Wenn Angst und Schmerzen nicht ernst genommen werden
Besonders schwierig wird es für Kinder, wenn sie ihre Angst oder ihre Schmerzen deutlich zeigen, aber den Eindruck bekommen, dass diese nicht gehört oder nicht ernst genommen werden. Fachleute betonen, dass es wichtig ist, die Gefühle von Kindern wahrzunehmen, sie zu fragen, was sie ängstigt, und ihnen so viel Mitbestimmung wie möglich zu geben – zum Beispiel bei kleinen Entscheidungen im Ablauf oder bei der Wahl von Bewältigungsstrategien. Genau das kann helfen, das Gefühl von Hilflosigkeit und Kontrollverlust zu verringern.

Quellen

Minimizing pediatric healthcare-induced anxiety and trauma. PMC, 2016. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4857227/

What Do Clinicians Caring for Children Need to Know about Pediatric Medical Traumatic Stress and Ethics? AMA Journal of Ethics, 2017. https://journalofethics.ama-assn.org/article/what-do-clinicians-caring-for-children-need-know-about-pediatric-medical-traumatic-stress-and-ethics/2017-08

Efficacy of a cartoon and photograph montage storybook in preparing children for VCUG. PubMed, 2013. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23703228/

The National Child Traumatic Stress Network: Pediatric Medical Traumatic Stress Toolkit. https://www.nctsn.org/sites/default/files/resources/pediatric_toolkit_for_health_care_providers.pdf

Boston Children’s Hospital: A Practical Parent Guide – Helping Your Child Cope with Medical Procedures. https://www.childrenshospital.org/sites/default/files/media_migration/146f22a7-6279-47af-998c-c24622745f91.pdf

It hurts to get forced: Children’s narratives about restraint during medical procedures. PMC, 2023. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10749400/

Wiederkehrende Untersuchungen

Wiederkehrende Untersuchungen
Nicht nur eine einzelne VMCU kann für Kinder belastend sein. Auch wiederholte Untersuchungen können eine eigene Form der Belastung darstellen, weil frühere Erfahrungen mit Schmerzen, Angst oder Kontrollverlust nachwirken.

Angst schon bei der Ankündigung
Wenn ein Kind bereits erlebt hat, dass eine Untersuchung schmerzhaft oder beängstigend war, kann allein die Ankündigung einer weiteren VMCU starke Angst auslösen. Studien zu medizinischen Eingriffen bei Kindern zeigen, dass frühere negative Erlebnisse die Erwartungsangst vor zukünftigen Untersuchungen deutlich erhöhen können.

Erinnerungen durch Gegenstände, Gerüche und Abläufe
Kinder verbinden medizinische Situationen oft mit ganz konkreten Eindrücken: bestimmte Räume, Gerüche, Kleidung, Instrumente oder Abläufe. Diese Hinweise können später automatisch Angst oder Anspannung auslösen, auch wenn die eigentliche Untersuchung noch gar nicht begonnen hat. Die Forschung beschreibt dieses Phänomen als „konditionierte Angstreaktion“ im Zusammenhang mit medizinischen Procedures.

Belastung beginnt oft vor der Untersuchung
Dadurch kann die Belastung für das Kind bereits Tage oder Wochen vor dem Termin entstehen – zum Beispiel beim Gespräch über die nächste Untersuchung, beim Packen der Tasche oder beim Betreten des Krankenhauses. Fachleute empfehlen deshalb, Kinder frühzeitig und altersgerecht vorzubereiten, ihnen den Ablauf zu erklären und ihnen Bewältigungsstrategien an die Hand zu geben, um diese Vorab-Angst zu verringern.

 

Quellen

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Angst vor Ärzten und medizinischen Situationen

Eine belastende VMCU kann nicht nur Angst vor einer erneuren Untersuchung auslösen. Bei manchen Kindern und Erwachsenen weiten sich die Erinnerungen auf Ärzte, Krankenhäuser und andere medizinische Situationen aus.

Von der einzelnen Untersuchung zur allgemeinen Angst
Erinnerungen an die VMCU können mit Ärzten, Untersuchungsräumen, Krankenhäusern oder typischen Abläufen (z. B. weiße Kittel, Desinfektionsgeruch, Wartezimmer) verknüpft werden. Dadurch kann bereits der Gedanke an einen Arztbesuch oder einen Krankenhausaufenthalt Angst oder starke Anspannung auslösen. Die Forschung beschreibt dieses Phänomen als „medizinisch induzierte Angst“ oder im weiteren Sinne als Teil von „pediatric medical traumatic stress“ – also stressbedingten Reaktionen nach belastenden medizinischen Erlebnissen.

Vermeidung oder Durchführung nur unter großer Angst
In solchen Fällen kann eine medizinische Untersuchung selbst wieder Erinnerungen an frühere Erfahrungen wachrufen. Das kann dazu führen, dass notwendige Untersuchungen vermieden, stark verzögert oder nur unter großer Angst durchgeführt werden. Fachgesellschaften und Traumafachstellen betonen, dass solche Vermeidungsreaktionen die gesundheitliche Versorgung erschweren und langfristig zu einem Teufelskreis aus Angst und schlechterer Vorsorge führen können.

Langfristiges Bestehen der Angst
Eine solche Reaktion kann auch noch viele Jahre nach der ursprünglichen Untersuchung bestehen bleiben. Studien zu medizinisch bedingtem Stress bei Kindern zeigen, dass belastende Erlebnisse im Gesundheitswesen bei einem Teil der Betroffenen auch im Jugend- und Erwachsenenalter nachwirken und dann etwa Zahnarztbesuche, Blutabnahmen oder Operationen besonders schwierig machen.

Quellen

Minimizing pediatric healthcare-induced anxiety and trauma. PMC, 2016. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4857227/

The National Child Traumatic Stress Network: Pediatric Medical Traumatic Stress Toolkit. https://www.nctsn.org/sites/default/files/resources/pediatric_toolkit_for_health_care_providers.pdf

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Distress experienced during pediatric VCUGs – a granular analysis. Springer, 2016. https://link.springer.com/article/10.1007/s00247-016-3540-z

Erinnerungen an die Untersuchung

Belastende Erfahrungen bei einer VMCU können auch später noch in Erinnerung bleiben – manchmal sehr deutlich, manchmal nur in Bruchstücken.

Nicht alle Details bleiben gleich
Dabei müssen nicht alle Einzelheiten der Untersuchung erhalten bleiben. Oft prägen sich besonders einzelne Bilder, Geräusche, Gerüche oder Körperempfindungen ein – zum Beispiel der Blick auf die Geräte, bestimmte Stimmen, der Geruch von Desinfektionsmittel oder das Gefühl, festgehalten zu werden. Studien zeigen, dass Kinder nach schmerzhaften medizinischen Eingriffen häufig vor allem diese sensorischen Fragmente (Bilder, Geräusche, Körpergefühle) erinnern, während der genaue Ablauf weniger klar bleibt .

Erinnerungen können später deutlicher werden
Erinnerungen können auch erst Jahre später deutlicher werden, etwa wenn ein Kind älter ist und die Situation besser einordnen kann oder wenn ähnliche Situationen erneut auftreten. Forschungen zur Gedächtnisentwicklung zeigen, dass sich die Art, wie Kinder über medizinische Erlebnisse berichten, mit dem Alter verändert und frühere Erfahrungen im Rückblick manchmal intensiver bewertet werden .

Unerwartetes Wiederauftreten von Erinnerungen
In manchen Fällen können solche Erinnerungen unerwartet wieder auftreten. Bestimmte Situationen – ein Arztbesuch, ein bestimmter Geruch, ein Geräusch oder eine ähnliche Körperposition – können dann an die frühere Untersuchung erinnern und eine starke emotionale Reaktion auslösen. Solche plötzlichen Erinnerungen und Angstreaktionen werden auch im Zusammenhang mit medizinisch bedingtem Stress und posttraumatischen Belastungsreaktionen beschrieben .

Quellen

Chen E, Zeltzer LK. Pain and pain relief in pediatric urology. Nature Reviews Urology, 2011.
https://www.nature.com/articles/nrurol.2011.11

Goodman GS, Quas JA, Ogle CM. Children’s memory for medical events. In: Pediatric Pain (Übersichtsartikel).
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3027297/

Merritt KA, Ornstein PA, Spicker M. Developmental changes in children’s memory for a stressful medical event. Child Development, 1994.
https://psycnet.apa.org/record/1995-01891-001

Kazak AE et al. An integrative model of pediatric medical traumatic stress. Journal of Pediatric Psychology, 2006.
https://academic.oup.com/jpepsy/article/31/4/343/913938

National Institute for Health and Care Excellence (NICE): Post-traumatic stress disorder (PTSD) guideline (NG116), 2018.
https://www.nice.org.uk/guidance/ng116

Vermeidung und Schutzverhalten

Bei einer VMCU muss ein Kind für die Untersuchung teilweise entkleidet werden und kann Berührungen und Eingriffe an sehr persönlichen Körperbereichen erleben. Wenn ein Kind dabei Angst hat, sich schämt oder keine Kontrolle über die Situation empfindet, kann diese Erfahrung auch später noch Einfluss auf den Umgang mit dem eigenen Körper haben.

Scham und Verlust von Privatsphäre
Für viele Kinder ist es ungewohnt und belastend, vor fremden Erwachsenen halbnackt zu sein und Untersuchungen im Genitalbereich zu erleben. Fachliteratur zu medizinischen Eingriffen bei Kindern beschreibt, dass genau solche Situationen Schamgefühle und das Gefühl auslösen können, die eigene Privatsphäre sei verletzt worden . Wenn das Kind dabei zusätzlich Angst oder Schmerz erlebt, kann sich der Eindruck verstärken, dem eigenen Körper ausgeliefert zu sein.

Spätere Schwierigkeiten im Umgang mit dem Körper
Wenn eine VMCU als beschämend oder überwältigend erlebt wurde, kann das später den Umgang mit dem eigenen Körper beeinflussen. Mögliche Reaktionen sind zum Beispiel Schwierigkeiten beim Umziehen (etwa in der Schule oder im Sportunterricht), ein ausgeprägtes Bedürfnis nach körperlicher Sicherheit oder die Vermeidung bestimmter Situationen, in denen der Körper gesehen oder berührt werden könnte . Solche Muster werden auch im Zusammenhang mit medizinisch bedingtem Stress und Schamerfahrungen beschrieben.

Körpergrenzen und Vertrauen
Für manche Kinder wird nach einer solchen Erfahrung das Vertrauen in die eigenen Körpergrenzen erschüttert. Sie können unsicherer werden, wann und von wem sie berührt werden dürfen, und stärker darauf achten, wer in ihre „privaten“ Bereiche eindringt. Fachstellen betonen, dass es wichtig ist, Kinder nach belastenden medizinischen Erlebnissen darin zu unterstützen, ihre Körpergrenzen wieder wahrzunehmen und zu stärken – zum Beispiel durch klare Erklärungen, Wahlmöglichkeiten und respektvollen Umgang bei allen weiteren Untersuchungen .

 

Vermeidung und Schutzverhalten

Kazak AE et al. An integrative model of pediatric medical traumatic stress. Journal of Pediatric Psychology, 2006.
https://academic.oup.com/jpepsy/article/31/4/343/913938

It hurts to get forced: Children’s narratives about restraint during medical procedures. BMC Pediatrics, 2023.
https://bmcpediatrics.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12887-023-04460-x

National Child Traumatic Stress Network (NCTSN): Pediatric Medical Traumatic Stress Toolkit.
https://www.nctsn.org/sites/default/files/resources/pediatric_toolkit_for_health_care_providers.pdf

Boston Children’s Hospital: A Practical Parent Guide – Helping Your Child Cope with Medical Procedures.
https://www.childrenshospital.org/sites/default/files/media_migration/146f22a7-6279-47af-998c-c24622745f91.pdf

World Health Organization (WHO): Guidelines on the management of child maltreatment (2022).
https://www.who.int/publications/i/item/9789240051737

American Academy of Pediatrics (AAP): Trauma-Informed Care in Pediatric Practice.
https://publications.aap.org/pediatrics/article/145/5/e20200586/37626/Trauma-Informed-Care-in-Pediatric-Practice

Erstarrung und Distanz zum Geschehen

Eine sehr belastende Situation kann dazu führen, dass ein Kind nicht mehr aktiv reagiert.

Das kann von außen wie ruhiges Verhalten oder fehlender Widerstand aussehen. Für das Kind selbst kann es sich jedoch ganz anders anfühlen.

Auch ein Gefühl von innerer Distanz zum Geschehen kann auftreten. Manche Menschen beschreiben rückblickend beispielsweise das Gefühl, weit weg zu sein oder sich selbst von außen wahrzunehmen.

Eine solche Reaktion sollte nicht automatisch als Zustimmung oder als fehlende Belastung verstanden werden.

Scham und Schwierigkeiten mit dem eigenen Körper

Bei einer VMCU muss ein Kind für die Untersuchung teilweise entkleidet werden und kann Untersuchungen und Berührungen an Körperbereichen erleben, die für es besonders persönlich sind.

Wenn ein Kind dabei Angst hat, sich schämt oder keine Kontrolle über die Situation empfindet, kann diese Erfahrung auch später noch Einfluss auf den Umgang mit dem eigenen Körper haben.

Mögliche Reaktionen können Schwierigkeiten beim Umziehen auftreten, ein ausgeprägtes Bedürfnis nach körperlicher Sicherheit oder die Vermeidung bestimmter Situationen sein.

Wenn die Folgen nicht sofort erkennbar sind

Nicht jede Belastungsreaktion muss unmittelbar nach einer Untersuchung sichtbar werden.

Manche Reaktionen können sich erst später entwickeln oder erst im Rückblick als Zusammenhang verstanden werden.

Ein Kind kann beispielsweise zunächst vor allem durch Verhaltensänderungen auffallen. Angst, Wut, Aggression, Rückzug oder Schwierigkeiten im Umgang mit bestimmten Situationen können dabei unterschiedliche Ursachen haben.

Wenn niemand nach einem möglichen belastenden Erlebnis fragt, bleibt der Zusammenhang möglicherweise lange unklar.

Langfristige Auswirkungen

Eine belastende Untersuchung kann für einen Menschen auch über die eigentliche Untersuchungssituation hinaus Bedeutung behalten.

Dazu können anhaltende Erinnerungen, Angst vor medizinischen Untersuchungen, Vermeidungsverhalten oder Schwierigkeiten im Umgang mit Situationen gehören, die an die frühere Erfahrung erinnern.

Wie stark und wie lange solche Reaktionen bestehen bleiben, kann sehr unterschiedlich sein.

Aus einzelnen persönlichen Erfahrungen lässt sich dabei nicht ableiten, dass eine VMCU zwangsläufig zu langfristigen psychischen Folgen führt.

Wichtig: Nicht jede VMCU führt zu einem Trauma

Eine VMCU kann medizinisch notwendig sein und wichtige Informationen für die Behandlung liefern. Gleichzeitig kann dieselbe Untersuchung von einem Kind als sehr belastend oder auch als traumatisch erlebt werden.

Nicht jedes Kind entwickelt nach einer VMCU ein Trauma oder langfristige Beschwerden. Wenn eine Untersuchung jedoch als traumatisch erlebt wird, können die Folgen unter Umständen lange bestehen bleiben. Bei manchen Menschen können solche Folgen viele Jahre oder sogar ein Leben lang anhalten.

Wie ein Kind eine solche Erfahrung verarbeitet, kann von vielen Faktoren abhängen. Dazu gehören unter anderem das Alter, die individuelle Situation des Kindes, die Vorbereitung auf die Untersuchung, die Wahrnehmung von Schmerzen und Angst, die Begleitung durch Erwachsene und die Frage, ob das Kind sich verstanden und ernst genommen fühlt.

Deshalb sollte eine auffällige Veränderung eines Kindes nach einer belastenden medizinischen Untersuchung nicht einfach als vorübergehendes schwieriges Verhalten abgetan werden.

Veränderungen ernst nehmen und das Gespräch suchen

Wenn sich ein Kind nach einer VMCU oder einer anderen belastenden medizinischen Erfahrung deutlich verändert, es kann auch Jahre danach auftreten, ist es wichtig, aufmerksam hinzuschauen und rechtzeitig das Gespräch mit dem Kind zu suchen.

Mögliche Hinweise können beispielsweise starke Angst, Rückzug, ungewöhnliche Wut oder Aggressivität, Schwierigkeiten beim Umziehen oder bei Berührungen, Angst vor Ärzten oder Krankenhäusern oder andere auffällige Veränderungen im Verhalten sein.

Ein Kind kann möglicherweise selbst nicht erklären, warum es sich verändert hat. Gerade jüngere Kinder haben oft noch nicht die Worte, um eine belastende Erfahrung zu beschreiben.

Deshalb kann es wichtig sein, nicht nur das Verhalten zu beobachten, sondern auch behutsam danach zu fragen, ob etwas passiert ist, das dem Kind Angst gemacht hat oder das es als unangenehm oder schmerzhaft erlebt hat.

Ein rechtzeitiges Gespräch kann dabei helfen, die Reaktion des Kindes besser zu verstehen und mögliche Belastungen frühzeitig wahrzunehmen.

Dabei sollte das Kind ernst genommen werden. Es geht nicht darum, ihm einzureden, dass eine Untersuchung traumatisch gewesen sei, sondern darum, ihm Raum zu geben, seine eigene Erfahrung und seine Gefühle zu schildern.

Warum es wichtig ist, über mögliche Folgen zu sprechen

Wenn sich die Folgen einer belastenden medizinischen Erfahrung erst später zeigen, wird der Zusammenhang nicht immer erkannt.

Ein Kind kann nach außen schwierig, ängstlich, aggressiv oder auffällig wirken, obwohl hinter dem Verhalten eine Belastung stehen kann, über die das Kind selbst noch gar nicht sprechen kann.

Deshalb kann es wichtig sein, auch bei später auftretenden Veränderungen danach zu fragen, ob es in der Vergangenheit medizinische Erfahrungen gab, die als besonders belastend erlebt wurden.

Die hier beschriebenen möglichen Folgen sind zunächst aus persönlichen Erfahrungen abgeleitet. Sie stellen keine Aussage darüber dar, wie häufig diese Reaktionen nach einer VMCU auftreten oder bei welchen Kindern sie entstehen.